Was bedeutet Krisenmanagement im Triathlon und wie setzt du das um?
Ronnie Schildknecht: Krisenmanagement bedeutet, vorbereitet zu sein auf die unvermeidlichen Tiefpunkte, die während eines langen Wettkampfs auftreten können. Das kann ein physischer Einbruch sein, wie ein Krampf oder ein Energiemangel, oder auch eine mentale Krise, bei der man das Gefühl hat, nicht mehr weiterzukommen. Der Schlüssel ist, diese Situationen nicht nur zu erwarten, sondern auch konkrete Strategien zu haben, um damit umzugehen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, spezielle Techniken zur Atmung und Entspannung zu nutzen oder sich selbst mit positiven Gedanken zu motivieren. Es geht darum, sich daran zu erinnern, warum man das macht, und die kleinen Erfolge auf dem Weg zu schätzen.
Wie bleibt man acht Stunden lang fokussiert und mental stark?
Ronnie Schildknecht: Es ist eine grosse Herausforderung, über eine so lange Zeit fokussiert zu bleiben. Eine Methode, die mir geholfen hat, ist das mentale Durchspielen des Wettkampfs im Vorfeld. Ich stelle mir vor, wie ich die verschiedenen Phasen des Rennens bewältige, von der Aufregung am Start über die Höhen und Tiefen während des Wettkampfs bis hin zum Gefühl des Überquerens der Ziellinie. Diese mentale Vorbereitung hilft, im Wettkampf selbst weniger überrascht oder überwältigt zu sein, da man sich gedanklich schon einmal in diesen Situationen befunden hat.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das sogenannte „Positivdenken“. Das bedeutet, sich auf die positiven Aspekte des Wettkampfs und des eigenen Fortschritts zu konzentrieren, selbst wenn die Dinge nicht perfekt laufen. Es hilft, sich an die Freude am Sport zu erinnern und sich selbst für kleine Erfolge zu loben. Zum Beispiel kann man sich sagen: „Ich habe diesen Abschnitt gut gemeistert“ oder „Ich bin stark genug, um das zu schaffen“. Diese positive innere Haltung kann eine enorme Motivation sein und hilft, den Fokus zu bewahren.
Du sprichst oft vom „Leiden“ im Wettkampf. Was bedeutet das für dich?
Ronnie Schildknecht: Leiden gehört im Triathlon einfach dazu. Es ist eine kontrollierte Qual, die man durch Training und Vorbereitung bewältigt. 2017 habe ich beim Ironman Texas eine meiner schnellsten Zeiten erreicht, nämlich 7 Stunden, 56 Minuten und 21 Sekunden. Das war eine harte Leistung, die viel Training und Ausdauer erforderte. Der Wettkampf selbst kann sehr schmerzhaft sein, ähnlich wie ein langer Büroalltag, den viele Menschen als ermüdend empfinden. Es geht darum, sich durch schwierige Phasen zu kämpfen und fokussiert zu bleiben. Diese Art des Leidens habe ich akzeptiert und sogar schätzen gelernt, weil sie Teil des Prozesses ist, sich zu verbessern. Schlussendlich ist alles eine Frage des Fokus: Mein Fokus lag auf dem Profisport. Da braucht es neben hartem Training und Talent auch die Bereitschaft zu leiden, um Zeiten unter 8 Stunden zu erreichen. Wenn man ein Ziel vor Augen hat, sei es in der Arbeitskarriere, im Sport oder in einem anderen Bereich, ist es entscheidend, diesen Fokus zu behalten und die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen.
Wie gehst du mit körperlichen Problemen und Schmerzen um, die während des Trainings und Wettkampfs auftreten?
Ronnie Schildknecht: Auch ich hatte gewisse körperliche Probleme. Mein Rücken war zum Beispiel eine Schwachstelle, ebenso wie der Bereich um das Gesäss. Ich habe gelernt, gut mit Schmerzen umzugehen, besonders während des Wettkampfs. Es gab Momente, in denen ich Schmerzen hatte und trotzdem gewinnen konnte. Einmal bin ich gestürzt und habe es dennoch geschafft, das Rennen zu gewinnen. Da bin ich voll der Wettkämpfer; ich kann alles andere unterordnen. Das ist vielleicht nicht immer gesund, aber es hat mir keine Nachteile gebracht. Es ist wichtig, im Training Massnahmen zu ergreifen, um den Körper zu pflegen, wie Massagen oder ausreichend Erholung. Selbst wenn man gerne mehr trainieren würde, muss man sich manchmal zurücknehmen, um Verletzungen oder Übertraining zu vermeiden.
Wie wichtig ist es, auf den Körper zu hören und Übertraining zu vermeiden?
Ronnie Schildknecht: Es ist sehr wichtig, die Zeichen des Körpers zu erkennen und darauf zu reagieren. Übertraining kann schnell passieren, besonders wenn man sich ständig an die Grenzen bringt. Es ist wichtig, sich ausreichend zu erholen und nicht ständig nur die Quantität des Trainings zu erhöhen. Heute gibt es viele technische Hilfsmittel, die dabei helfen, den Zustand des Körpers zu überwachen, aber letztendlich muss man selbst lernen, auf die eigenen Signale zu hören.